Barnet-Licht-Schule

Zur Person
Barnet Licht

Barnet Licht – Biografie

  • Geboren: 15. Mai 1874 in Wilna (heute Vilnius, Litauen)

  • Gestorben: 3. Mai 1951 in Leipzig

Jugend & Ausbildung in New York

Barnet Licht wurde 1874 in Wilna geboren und wuchs in New York auf. Statt der von den Eltern gewünschten Rabbinerlaufbahn wählte er früh einen eigenständigen Weg: Bereits mit 15 Jahren arbeitete er als Hilfsarbeiter in Textilbetrieben und lernte die soziale Not der Arbeiterklasse kennen. Zugleich spürte er das kulturelle Potenzial dieser Menschen. Er nahm Orgel- und Klavierunterricht und gründete 1891 in Brooklyn seinen ersten Chor. Ab 1894 wirkte er als Organist und Chorleiter an der Synagoge Congregation Ansche Chesed, bevor er 1898 nach Deutschland ging, um Musik zu studieren.

Musiker und Reformer der Arbeiterkultur in Leipzig

Licht immatrikulierte sich 1898 am Königlichen Konservatorium der Musik zu Leipzig und schloss 1902 sein Studium ab. Schon 1901 übernahm er den Männerchor Rütli im Industriestadtteil Plagwitz. Bis 1906 folgten weitere Arbeiterchöre, die er 1907 zum Chorverband der Licht’schen Chöre zusammenschloss. Weithin bekannt wurden seine Händel-Aufführungen nach dem Ersten Weltkrieg, das Arbeiter-Händelfest 1926 sowie eine feierliche Beethoven-Ehrung 1927.

Für Barnet Licht war Kunst ein Grundrecht aller gesellschaftlichen Schichten. Er bot kostenlosen Instrumentalunterricht an, gründete 1923 ein Arbeiterorchester und organisierte über das Arbeiter-Bildungs-Institut günstige Konzertbesuche. Zudem glaubte er an die therapeutische Wirkung der Musik: Ab Mitte der 1920er-Jahre engagierte er sich in Haftanstalten und leitete Gefangenenchöre.

Wirken in der Jüdischen Gemeinde

Ab 1924 leitete Licht den Chor am „Tempel“, der liberalen Synagoge in der Gottschedstraße, und war eine zentrale Figur des kulturellen Gemeindelebens. Neben seiner praktischen Arbeit publizierte er regelmäßig Aufsätze, Konzert-Einführungen und Rezensionen, unter anderem im Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde.

Verfolgung und Überleben unter dem NS-Regime

1933 verboten die Nationalsozialisten den Licht’schen Chorverband. Trotz Vermittlungsversuchen prominenter Musiker wie Wilhelm Furtwängler und Karl Straube wurde Licht 1935 wegen seiner jüdischen Herkunft aus der Reichsmusikkammer ausgeschlossen. Dies bedeutete ein endgültiges Berufsverbot.

Licht engagierte sich fortan im Jüdischen Kulturbund, gründete Kinderchöre, übernahm das Jüdische Orchester (Collegium musicum) und begleitete bis 1941 Gottesdienste in der Synagoge Keilstraße. Ab Ende 1939 musste er mit seiner Frau Gertrud in sogenannten „Judenhäusern“ leben. Im Februar 1945 wurden beide in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Sie überlebten die Haft und kehrten im Juli 1945 nach Leipzig zurück.

Spätes Wirken und Ehrung

Gleich nach Kriegsende nahm Licht die Probenarbeit wieder auf. Im September 1945 trat sein Synagogenchor erneut auf, 1946 folgte das erste Nachkriegskonzert des Licht’schen Chorverbandes. In den Nachkriegsjahren wurde ihm der Professorentitel verliehen. Im Januar 1950 musste er die Chorleitung aus gesundheitlichen Gründen niederlegen. Barnet Licht starb am 3. Mai 1951 im Alter von 76 Jahren in Leipzig

Zur Begründung des Schulnamens

Gemäß unserem Leitbild „Gemeinsam wachsen – nachhaltig lernen“ verstehen wir uns als eine Schule, die allen Schülerinnen und Schülern – unabhängig von ihrem kulturellen oder gesellschaftlichen Hintergrund – die Teilhabe an Bildung und Kultur ermöglicht.

Nur im Miteinander kann es gelingen, den gesellschaftlichen Herausforderungen zu begegnen und diese gemeinsam zu meistern. Musik kann dabei einen wertvollen Beitrag leisten, um Toleranz, Verständnis und die Bereitschaft zur gegenseitigen Akzeptanz zu fördern.

Barnet Licht war ein erfolgreicher Musiker mit einer außergewöhnlichen Vision: Jeder Mensch – egal ob aus der Landwirtschaft, der Arbeiterklasse oder dem Handwerk – sollte die Möglichkeit haben, klassische Musik zu hören und selbst zu musizieren. Als Gründer und Leiter mehrerer Arbeiterchöre förderte er vor allem die musikalische Bildung von Menschen, die damals benachteiligt waren.

Nach dem Zweiten Weltkrieg organisierte und leitete er ein Konzert auf dem Leipziger Augustusplatz. Dadurch brachte er die Musik als verbindendes Element zwischen Menschen unterschiedlicher Nationalitäten sowie Konfessionen zurück in die Stadt und schenkte den Überlebenden Kraft und Hoffnung für den Neuanfang.

Ein weiterer pragmatischer Grund für unsere Namenswahl ist die bisherige Bezeichnung unserer Einrichtung: Als „Oberschule am Barnet-Licht-Platz“ bezog sich unser Interimsname bereits direkt auf den Standort der Schule. Da Barnet Licht einst ganz in der Nähe wohnte und der Platz vor unserer Schule nach ihm benannt ist, lag es nahe, seinen Namen nun dauerhaft und vollumfänglich für unsere Schule zu übernehmen.

Das Leben von Barnet Licht im Video